Donnerstag, Mai 01, 2008

Tran Sport

Traurig, aber wahr: Das Datum für den Transport steht noch immer nicht fest. Das kann sich niemand vorstellen. Wir uns auch nicht, denn Hans ist seit Januar am Organisieren.
Eins von vielen Problemen ist, dass die (t)ollen Schweden gopferteckel einfach ihren Finger nicht aus dem Golfhandschuh nehmen. Oder sie sind krank (noch immer im Trend ist der Burnout) oder sie machen vaba*. (Worterklärung siehe unten)
Man würde denken, so schwierig kann das doch nicht sein. Man ruft eine Transportfirma an und sagt: "Losed Si, wir haben da Ende Mai ein 8 Meter breites, 15 Meter langes und 9 Tonnen schweres Ding von A nach B zu transportieren. Wieviel kostet das und können Sie das organisieren?"
Und der auf der anderen Seite würde sagen: "Kais Probläm, da haben wir schon viel Grösseres und Schwereres transportiert."
So haben wir auch gedacht. Denkste!
Das Übelste am Ganzen ist, dass weder die Länge, noch die Breite, noch das Gewicht ein Problem ist, sondern schlicht und einfach die schampenden Behörden und die wenn-du-nicht-zuerst-dann-wart-ich-auch-mal-noch-Mentalität.

Wir haben den Lastwagenunternehmer Claes Nr. 1 mit dem Transport beauftragt und haben ihm ein rund zehnseitiges Dokument mit allen möglichen Problemen der Strecke zusammengestellt. Der aber schickt es dem Claes Nr. 2, der Vorsitzender einer Lastwagenzentrale ist.
Lange lange hören wir nichts mehr, als wir nachfragen, ist der Claes Nr. 2 grad in Thailand in den Ferien, aber in einer Woche ist er wieder da. Dann ist er aber noch eine Woche krank.
Der Claes Nr. 2 schickt das Gesuch weiter ans den Thomas vom Kantonalen Strassen- und Verkehrsamt. (Wohlgemerkt, geschickt wird nur, wenn wir vorher dreimal in den A... treten).
Thomas schickt das ganze weiter an die Polizei, den Rettungsdienst (Amubulanz, Feuerwehr, etc.) und an alle Gemeinden, durch welche wir fahren wollen.
Die Polizei und der Rettungsdienst und die Gemeinden haben natürlich anderes zu tun. (A... treten von uns.)
Und wenn nur eine Gemeinde "hmmm" und nicht "ja" sagt, dann liegt das Ganze vorerst mal wieder auf Eis. Und wir müssen wieder treten. Warum eigentlich immer wir? Haben wir nicht mal eine Transportfirma beauftragt? Die also auch noch treten.
Das Gesuch wird abgelehnt, weil eine Gemeinde meldet, ihr Bahnübergang sei nur 5.5 Meter breit. Aber hallo? Wir waren doch schon drei Mal dort und haben ihn gemessen und der war rund 9 Meter breit. Nach 7 Telefonaten mit 14 verschiedenen Leuten merken sie, dass in ihrem System vermerkt ist, dass die Bahn auf der gesamten Strecke eine Mindestbreite von 5.5 Metern garantiert. Aha.
Was bedeutet schon wieder Minimum und Maximum? Kann es jetzt auch mehr sein oder darf es nicht weniger sein? Oder doch das doppelte von der Hälfte, weil es ja zwei Fahrbahnen sind?Oder doch nur einfach, weil der Zug ja auch nur in eine Richtung fährt. Und warum wissen die Leute aus Öra besser über den Bahnübergang Bescheid, als die Gemeindebehörden? Planen die Öraner etwa einen Anschlag?

Und dann wollen sie wissen, welche Schilder wir alle abmontiert haben wollen. Wir fahren also an einem Abend zum zigsten Mal 88 km hin und 88 km zurück, bloss um in der letzen Gemeinde alle Strassenschilder zu fotografieren und ihnen nochmals ein zehnseitiges Dokument zu schicken.

Und dazwischen ruft man immer mal wieder einen der Bürofritzen an, um ihm etwas Dampf unter dem Bürosessel zu machen. Aber meist kommt dann ein Telefonbeantworter der sagt "Vielen Dank für ihren Anruf, leider ist Sven Svensson bis um halb vier in einer Sitzung" (anderer Ausdruck für Golf spielen). Wenn man dann um eine Minute vor halb vier anruft, dann ist er immer noch in der Sitzung und eine Minute nach halb vier ist er schon nach Hause gegangen oder anders ausgedrück, noch immer auf dem Rasen.
Schön wärs, wenn wir ein nettes Fräulein hätten, das den ganzen Tag in unserem Büro sitzt und telefoniert. Aber so ist's ja nicht, sondern wir arbeiten in einer lärmigen, staubigen Halle ohne Natelempfang. Also bei jedem Anruf steigt Hans von der Leiter und geht auf die andere Seite der Halle, nur um zu hören, dass der Anders Andersson noch nicht da ist und fünf Minuten später leider schon gegangen ist.
Und wer nun das Gefühl hat, ich übertreiben mal wieder: Falsch. Ich untertreibe. Dies hier ist die Kurzversion.
Und wer bitte baut in der Zwischenzeit das Boot fertig? Vielleicht kriegen wir ja bald die Bewilligung, aber es gibt nichts zum transportieren...

Die fleissigen Blogleser jedoch wissen bei diesem Bild:

Wir geben noch nicht auf!

*vaba=vård av barn (auf kranke Kinder aufpassen)
Super Sache, wenn man Eltern ist. Denn ist das Kind krank, kann man es ja schlecht in die Krippe bringen. Da soll Mama oder Papa Zuhause bleiben können, um das Kind zu pflegen. Bin ich voll und ganz dafür.
Das grosse ABER: Hier in Schweden sind die Kinder übermässig oft am Freitag oder am Montag krank. Genau dann, wenn man die Dinge noch vor dem Wochenende erledigen sollte oder nach dem Wochenende endlich mal wieder jemand erreichen könnte.
Oder das vaba wird kurzerhand auf den lahmenden Hund, die einsame Grossmutter, die anspruchsvolle Ehefrau oder das renovationsbedürftige Eigenheim ausgedehnt.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Wow! Ächz... melde mich hiermit als Frölein.... und könnte bei Bedarf auch eine Arschtreterin liefern (macht Besuche auch auf dem Golfplatz!).